Innere-Kind-Arbeit

Liebe dich selbst - aber wie?


© Juttaschnecke / PIXELIO


Häufig hören wir, dass der Schlüssel zu Erfolg, innerem Frieden und Harmonie mit sich selbst und Anderen darin liegt, sich erst einmal vollkommen selbst anzunehmen, zu lieben und zu achten. Die Meisten würden dieser Aussage zustimmen. Problematisch ist, dass wir oft nicht wissen, wie wir einen Zugang dazu bekommen. Oder wir glauben nur, dass wir uns tatsächlich selbst lieben, z. B. indem wir uns über Arbeit definieren oder wir Macht über Andere ausüben und dadurch verdrängen, wie wir uns wirklich fühlen. Aber wirklich glücklich macht uns das nicht und tief im Inneren spüren wir manchmal, dass trotzdem etwas nicht stimmt.
Meist hindert uns eine blockierende innere Stimme, Zugang zu unseren wirklichen Gefühlen zu finden, die uns sagt, dass wir nichts wert sind und die Erfolge als etwas Selbstverständliches abwertet und Misserfolge als Anlass nimmt, uns unsere Minderwertigkeit zu beweisen.

Als eine besondere Form der Regressionsarbeit kann man auch die Arbeit mit dem sogenannten "inneren Kind" sehen. Das "innere Kind" steht für unsere wirklichen Gefühle - unserem authentischen Kern. Bedürfnisse, wie z. B. liebevolle Zuwendung, Verständnis und Geborgenheit, die in unserer Kindheit nicht genügend gestillt wurden, verursachen seelische Verletzungen und Schmerzen, die wir unbewusst mit in´s Erwachsenenalter nehmen und die dann weiterhin unsere Gefühle und Handlungen prägen. Das kann dann die verschiedensten Verhaltensweisen zur Folge haben, z. B.: Man möchte ständig im Mittelpunkt stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, oder man zieht sich im Gegenteil ganz in sich zurück und reduziert alle zwischenmenschlichen Kontakte auf ein Minimum, oder man wird zynisch und sarkastisch gegenüber seinen Mitmenschen… Wenn uns ein Ereignis unbewusst an frühere Erfahrungen erinnert, löst dies Gefühle aus, die mit diesen Erfahrungen zusammenhängen. Oft verstehen wir unser eigenes Verhalten nicht, da wir diese Gefühle für die Realität halten. Dabei haben sie nur dahinter stehende Gedanken und Bewertungen ausgelöst, wie z. B. "Ich bin wertlos", wenn uns jemand unfreundlich behandelt. Deshalb ist es heilsam, zu erkennen, dass es sich hier um Gedanken handelt und nicht um Tatsachen (s. a. Zitat unten).
Das kindliche Wesen ist noch unbelastet von Bewertungen und fehlerhaften Entscheidungen und noch nicht durch Erziehungsmuster, Wertungen und Umwelteinflüsse verdorben. Es denkt noch nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen, d. h. es ist noch nicht abgestumpft oder egoistisch. Die frühen Erfahrungen eines Kindes erfolgen auf Gefühlsebene. Die positiven angenehmen als auch die negativen unangenehmen Erfahrungen eines Kindes bleiben in seiner Gefühlswelt haften. Ein Kind sehnt sich nach echter Liebe und will keinen falschen Liebesersatz, den es aber oft von den, durch bestimmte individuelle Erfahrungen geprägte, Erwachsenen erhält. Das Kind liebt seine Eltern ursprünglich vorbehaltlos und ist von ihnen überlebensnotwendig abhängig. Deshalb passt es sich ihnen immer mehr an und verinnerlicht ihre Ansichten. Dadurch entwickelt sich das so geprägte Selbstbild.
Es geht heute nicht um die Anschuldigung unserer Eltern bzw. anderer Bezugspersonen oder der gesellschaftlichen Umstände, aber eben auch nicht um eine Idealisierung, sondern uns selber heute diese Versäumnisse zuteil werden zu lassen.

Die Arbeit mit dem inneren Kind kann man mit etwas Übung auch selbst erlernen. Sie ist z. B. nach Abschluss einer Problembearbeitung mit fachlicher Hilfe geeignet, um weiterhin an sich selber arbeiten zu können. Diese Beschäftigung mit den eigenen Gefühlen und dem eigenen Wohlergehen eignet sich deshalb auch als Anleitung zur Selbsthilfe, bei der man lernen kann eine Vielzahl von leichteren Befindlichkeitsproblemen selbst zu heilen. Indem man sich seinem Inneren zuwendet, lernt man sich selber besser kennen und entwickelt dadurch auch mehr Verständnis für sich. Dadurch wird man auch unabhängiger von äußerer Zuwendung und Anerkennung und wird gleichzeitig sensibler und verständnisvoller für die Probleme Anderer.

Anwendungsgebiete:
Leichtere emotionale Probleme, wie mangelndes Selbstbewusstsein, Beziehungsprobleme, leichte Angstzustände, Alleingelassenfühlen, Probleme mit eigenen Kindern oder der Wunsch glücklicher und zufriedener zu sein.

Buchempfehlungen:
Gabriela Bunz-Schlösser: „Hand in Hand mit dem inneren Kind - Wie Sie Bedürfnisse aus der Vergangenheit nachholen und alte Wunden heilen", mvg Verlag

Safi Nidiaye: „Wieder fühlen lernen", Integral Verlag

Jack Allanach: „Der Feind in deinem Kopf“, Goldmann Verlag

"Das Verhalten eines Menschen mir gegenüber sagt immer etwas über ihn aus, nie über mich. Und die Art, wie ich emotional darauf reagiere, also das Gefühl, das dieses Verhalten in mir weckt, hat immer etwas mit mir zu tun und nie mit ihm."
(Zitat aus:"Wieder fühlen lernen" von Safi Nidiaye)


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